Wachauforum 2026









Wachauforum 2026: Prompt in die Zukunft?
Wie soll die Wachau von morgen aussehen? Welche Entwicklungen wünschen wir uns für die Region? Welche sollen auf keinen Fall Realität werden? Unter dem Motto „Prompt in die Zukunft? Visionen für die Wachau von morgen“ lud das Wachauforum 2026 am 18. September dazu ein, gemeinsam einen Blick in die Zukunft des UNESCO-Welterbes Wachau zu werfen.
Am 18. September 2026 kamen im Forum Silberbichl in Mautern Vertreter:innen aus Bund und Land, den Welterbegemeinden, regionalen Vereinen und Institutionen sowie aus den Bereichen Schifffahrt, Kunst und Kultur, Architektur und Tourismus mit Menschen aus der Region und geladenen Expert:innen zusammen.
Dabei ging es bewusst nicht darum, die Zukunft vorherzusagen. Vielmehr stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Wachau auch morgen eine lebenswerte, wirtschaftlich resiliente und zugleich einzigartige Region bleiben kann und welchen Beitrag die Menschen, Gemeinden und Institutionen der Region dazu leisten können.
Moderiert wurde das Wachauforum 2026 von Stefan Stockinger.
Eigenbild versus Fremdbild: Wie sehen wir unsere Wachau?
Zum Einstieg waren die Teilnehmer:innen selbst gefragt. Welche Begriffe verbinden Menschen, die hier leben, persönlich mit der Wachau? Und welche Begriffe würden wohl Menschen nennen, die von außen auf die Region blicken?
Die Gegenüberstellung von Eigenbild und Fremdbild eröffnete den Nachmittag und machte deutlich, dass die Wachau weit mehr ist als jene Bilder, mit denen sie häufig von außen verbunden wird. Sie ist nicht nur international bekannte Kulturlandschaft und touristisches Reiseziel, sondern vor allem auch Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum. Wie können also diese besonderen Qualitäten, für die die Wachau bekannt ist, bewahrt werden und gleichzeitig jene Entwicklungen ermöglicht werden, die eine lebendige Region für ihre Bewohner:innen braucht?
Zahlen & Fakten: Wie resilient ist die Wachau?
Einen faktenbasierten Blick auf diese Frage warf Hannes Hoffert-Hösl vom Büro GEOraum GmbH. Unter dem Titel „Zahlen & Fakten: Leben, Wohnen, Arbeiten und Wirtschaft – Wie resilient ist die Wachau?“ nahm er die strukturelle Entwicklung der Region unter die Lupe. Im Mittelpunkt standen dabei jene Faktoren, die darüber entscheiden, wie widerstandsfähig und zukunftsfähig eine Region ist: Leben und Wohnen, Arbeitsplätze und Wirtschaft sowie die Möglichkeiten, die sich für die Menschen vor Ort ergeben. Das Ergebnis? Die Wachau ist im österreichischen Schnitt weit vorne was Attraktivität, Zukunfstfähigkeit, Gleichberechtigung und wirtschaftliche Diversität betrifft. Auch wenn die Region, wie fast ganz Europa, die Überalterung der Bevölkerung spürt, bleiben durch die Wirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft mehr junge Leute in der Region als im Durchschnitt des ländlichen Raums.
Der Blick auf Zahlen und Entwicklungen bildete zugleich die Grundlage für den nächsten Programmpunkt: Denn hinter statistischen Entwicklungen stehen immer Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen.
Reality Check: Wie lebt und arbeitet es sich in der Wachau?
Beim „Reality Check: Leben in der Wachau“ kamen deshalb drei Menschen zu Wort, die in der Region leben, arbeiten und ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Ihre persönlichen Geschichten als Jungwinzer, pensionierte Touristikerin und von Wien zurückgekehte Wachauerin mit Gemeinschaftswohnprojekt brachten unterschiedliche Perspektiven auf das Leben in der Wachau auf die Bühne. Dabei ging es unter anderem darum, warum sich Menschen bewusst dafür entscheiden, ihre berufliche und private Zukunft in der Wachau aufzubauen, welche Möglichkeiten die Region dafür bietet, aber auch, wo die Herausforderungen liegen. Das Thema Spannungsfeld zwischen Bewahren und Weiterentwickeln in einer Welterberegion, kam in unterschiedlichster Form zum Ausdruck. So verbindet verschiedenste Lebenssituationen die Frage, wie Neues entstehen kann, ohne dabei jene Qualitäten zu verlieren, die die Wachau unverwechselbar machen.
Am Beispiel von Michael Donabaum, Winzer des Weinguts von der Vogelwaide, wurde deutlich, dass diese beiden Ansätze kein Widerspruch sein müssen. Aufgewachsen in einem Wachauer Weingut, sammelte er Erfahrungen innerhalb und außerhalb der Region und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung im Bereich Design. Gemeinsam mit seinem Partner entschied er sich schließlich dafür, seine Zukunft in der Wachau aufzubauen. Mit dem Hohen Gut wurde dabei bestehende alte Bausubstanz übernommen und neu belebt und so Baubestand weiterentwickelt und mit neuen Nutzungen verbunden. Anna Pritz - Touristikerin, Goldhaubenträgerin und Wirtin - sprach über das Engagement, das die Menschen in der Region in Arbeit und Ehrenamt an den Tag legen, ihren persönlichen Werdegang und wie gern sie Wirtin war und immer wieder werden würde. Für eine lockere Frische sorgte das Gespräch mit Conni Taubner, die über das Erwachsenwerden im kleinen Ort, das Reisen durch die Welt und die neu gewonnene Wertschätzung für die Region erzählte. Ihre Erfahrungen und ihren gewonnenen Horizont setzt sie unter anderem in ihrem gemeinschaftlichen Wohnprojekt um, das in der Umgebung noch durchaus als untypisch und skuril wahrgenommen würde, sie selbst aber sehr glücklich mache.
Keine Angst vor der Zukunft
Nach den persönlichen Perspektiven aus der Region weitete sich der Blick: Zukunftsforscherin Oona Horx Strathern widmete sich in ihrer Keynote „Keine Angst vor der Zukunft – Trends, Megatrends und Gegentrends für die Wachau“ den größeren gesellschaftlichen Entwicklungen, die auch die Wachau beeinflussen. Dabei stand ein konstruktiver Umgang mit Zukunft im Mittelpunkt. Denn Zukunft ist nicht nur etwas, das einer Region „passiert“. Gesellschaftliche Veränderungen, neue Bedürfnisse und Gegentrends eröffnen auch Handlungsspielräume. Gerade für eine Region wie die Wachau stellt sich damit die Frage, welche Entwicklungen aufgegriffen werden können, ohne die eigene Identität aus den Augen zu verlieren. Der Blick auf die Zukunft muss dabei nicht von Angst vor Veränderung geprägt sein – vielmehr können Veränderungen auch neue Möglichkeiten eröffnen. Bei mehreren Beispielen für zukunftsfites Leben aus dem internationalen Raum, freute sich Oona, das Wohnprojekt von Conni als regionales Beispiel für einen internationalen Trend aufgreifen zu können. Verschiedenste Wohngemeinschaftsformate seien bereichernd, verbindend und ein radikales Gegenmittel zur kollektiven Einsamkeit einer immer individualistischeren und digitalisierten Gesellschaft.
Die Zukunft prompten: Utopie oder Dystopie?
Zum Abschluss kam der Titel des Wachauforums schließlich ganz konkret zur Anwendung: Was wäre, wenn wir die Zukunft der Wachau „prompten“ könnten? Gemeinsam wurde ein gedanklicher Blick in unterschiedliche Zukunftsszenarien geworfen. Was wünschen wir uns für die, und welche Entwicklungen sollen auf keinen Fall Realität werden? Dazu wurden in 5 Gruppen von den Teilnehmern Wünsche aufgeschrieben, abfotografiert und mit dem Prompt "Bitte erstelle daraus ein realistisches Pressefoto von 2045" im KI-Bilderzeuger in einer Utopie und eine Dystopie gegenübergestellt. Jeweils acht Themenfelder zeigten besonders deutlich, wie unterschiedlich sich die Region entwickeln könnte. In der negativen Zukunftsvision standen eine übermäßige touristische Belastung, zunehmender Flächenverbrauch und Großprojekte, Umweltverschmutzung und eine beeinträchtigte Donau ebenso im Raum wie große industrielle Strukturen, die nicht zum Charakter der Region passen. Hinzu kamen die zunehmenden Folgen des Klimawandels und extremer Wetterereignisse, der Verlust regionaler Identität und austauschbare Ortsbilder, Leerstand und verfallende Gebäude sowie negative soziale und wirtschaftliche Entwicklungen.
Doch dieser Dystopie wurde bewusst eine positive Vision entgegengestellt.
Eine lebenswerte Wachau für kommende Generationen
In dieser Zukunft bleibt die Wachau lebenswert, für Einheimische ebenso wie für Gäste. Tourismus und Lebensqualität stehen 2045 miteinander im Einklang. Die charakteristische Landschaft wird vor weiterem Flächenverbrauch geschützt und die Donau bleibt sauber und lebendig. Natur, Landwirtschaft und regionale Betriebe prägen weiterhin die Region. Die Auswirkungen des Klimawandels werden nicht ausgeblendet, gleichzeitig steht die Vision für eine Wachau, die mit Veränderungen umgehen und ihre Lebensgrundlagen langfristig erhalten kann. Auch die Identität der Orte spielt dabei eine wesentliche Rolle: Die Wachau soll nicht austauschbar werden, sondern ihren eigenen Charakter bewahren. Bestehende Gebäude sollen genutzt und weiterentwickelt werden, anstatt Ortskerne leer werden zu lassen. Lebendige Dörfer und Städte, Wohnraum, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven sollen dazu beitragen, dass Menschen auch künftig in der Region leben können und wollen.
Und schließlich zeigte das positive Zukunftsbild eine Wachau als starke Gemeinschaft, in der unterschiedliche Generationen Perspektiven finden und die Zukunft gemeinsam gestalten.
Die Gegenüberstellung machte deutlich: Viele der großen Zukunftsfragen hängen miteinander zusammen. Landschaftsschutz, Wohnen, Wirtschaft, Tourismus, Klima, regionale Identität und gesellschaftlicher Zusammenhalt lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten.
Welterbe bewahren heißt Zukunft gestalten
Der Blick in die Zukunft fiel beim Wachauforum 2026 insgesamt sehr positiv aus. Die Region verfügt über eine außergewöhnliche Kulturlandschaft, eine starke Identität und vor allem über Menschen und Institutionen, die bereit sind, Verantwortung für ihre weitere Entwicklung zu übernehmen. Dass Welterbe nicht Stillstand, sondern mehr Resilienz und mehr Möglichkeit zur Vernetzung bedeuten kann, wurde durch die Worte von Bürgermeister Christian Geppner, Statistiker Hannes Hoffert-Hösl und Oona Horx Stratern hervorgehoben. Die Wachau zu bewahren heißt auch, sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen und Antworten darauf zu finden, wie hier künftig gelebt, gewohnt und gearbeitet werden kann.
Die Zukunft der Wachau entsteht dabei nicht durch einen einzigen großen Entwurf. Sie entsteht durch viele Entscheidungen, Projekte, Ideen und durch Austausch.
Danke für ein gelungenes Wachauforum 2026!
Nach einem Nachmittag voller Impulse, Diskussionen, persönlicher Geschichten und Zukunftsbilder fand das Wachauforum beim Heurigenbuffet seinen gemütlichen Ausklang. Gespräche blieben spannend, die Gedanken vieler bei der Zukunft.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Speaker:innen, die ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre persönlichen Perspektiven mit uns geteilt haben.
Ebenso bedanken wir uns bei den Vertreter:innen von Bund und Land, unseren Welterbegemeindevertreter:innen, den Vereinen und Institutionen der Region sowie bei allen Teilnehmer:innen, die sich mit Fragen, Gedanken und Ideen eingebracht haben.
Die Zukunft der Wachau lässt sich nicht vorhersagen, aber wir können sie gemeinsam gestalten.









